Über Kitzbüheler Immobilientransaktionen, Vater und Tochter in einer Kanzlei und die erste Oldtimer - Jugendliebe

Im Gespräch mit Betina & Clemens Winkler

Experten im Immobilien- und Liegenschaftsrecht

 

Als Immobilienanwälte habt ihr einen sehr guten Überblick über den Immobilienmarkt in Kitzbühel? Welche Auswirkungen hat Corona?

Betina: Seit Einbruch der Covid-19 Pandemie wird zweifelsohne mehr Zeit zu Hause verbracht. Selbst bei Personen, die für gewöhnlich permanent unterwegs sind, kehrt tendenziell Ruhe und Sesshaftigkeit ein. Damit korreliert die wachsende Sehnsucht nach einem Heim, das den individuellen Wünschen entspricht, in dem man sich sicher und geborgen fühlt. Der Immobilienmarkt in Kitzbühel und Umgebung scheint – soweit wir das durch die Errichtung und Abwicklung von Kaufverträgen unmittelbar miterleben dürfen – durch die Pandemie insgesamt betrachtet keine nennenswerten Einbußen erfahren zu haben. Während der Zeiträume des harten Lockdowns könnte man allenfalls von einem vorübergehenden Einfrieren des Immobilienmarktes sprechen. Besichtigungs- und Unterfertigungstermine wurden zwischenzeitlich verschoben, sind jedoch nicht ersatzlos entfallen.

 

Was begeistert euch am allermeisten an eurem Beruf?

Betina: Als Rechtsanwälte der Kanzlei Rohracher & Winkler genießen wir einen beispiellos abwechslungsreichen Beruf. Zum Einen ist das juristische Tätigkeitsfeld sehr weit: Die Kanzlei deckt Rechtsgebiete von Liegenschaftsrecht über Gesellschaftsrecht, klassisches Zivilrecht bis hin zu Verwaltungsrecht ab. Ein Arbeitstag kann etwa mit einer streitigen Zivilverhandlung am Landesgericht Innsbruck beginnen, am Nachmittag gilt es, an den Klauseln eines Vertrages zu feilen und zwischendrin ist vielleicht bei Vergleichsgesprächen zu taktieren. Andererseits ist man nah am Menschen, respektive am Mandanten, dran. Wir beraten Mandanten in den verschiedensten Lebenssituationen. Mandanten vertrauen uns sehr persönliche und mitunter heikle Anliegen an. Nicht zuletzt die personelle Vielfalt unseres Klientenstamms könnte nicht unterschiedlicher und damit interessanter sein.

Clemens: Die positive Resonanz zufriedener Mandanten, ein Prozessgewinn und die erfolgreiche Kundenakquise bereiten jedes Mal aufs Neue kleine persönliche Erfolgserlebnisse. In der Anwaltei kann ich meiner Hingabe nachgehen, Leute zusammen und auf den gemeinsamen Nenner zu bringen. Alles in allem würde ich sagen, dass der Anwaltsberuf sehr erfüllend sein kann.

 

Ihr arbeitet als Familie in einer Kanzlei. Lief es vom ersten Tag an "wie am Schnürchen" oder braucht es eine klare Arbeitsteilung?

Betina: Grundsätzlich folgt die Arbeitsteilung nach Akten. Jeder Akt hat im Normalfall einen primären Sachbearbeiter. Von daher hat ohnehin jeder seinen abgesteckten Aufgabenbereich. Natürlich funktioniert das Gefüge der Kanzlei aber als Team. Mittlerweile profitiert die Kanzlei vom Know-How von sechs Juristen. Wir tauschen uns untereinander aus. Besonders verwantwortungsvolle Aufgaben werden nach Vier-Augen-Prinzip gehandhabt. Ich muss dazu sagen, dass ich mehrere Jahre in einer Innsbrucker Wirtschaftskanzlei tätig war, bevor ich meine Arbeit in der Kanzlei Rohracher & Winkler begonnen habe. In Kitzbühel wurde mir von Anfang an Verantwortung übertragen; insofern wurde mir der Einstieg leicht gemacht.

Clemens: Auch wenn meine Frau und ich in dieser Beziehung nie Druck auf Betina ausgeübt haben, war es insgeheim doch unser Wunsch, dass Betina in unsere Fußstapfen tritt. Wie das Zusammenarbeiten dann in der Praxis funktioniert, weiß man erst, wenn es soweit ist. Das hätte durchaus auch schief gehen können. Umso erleichterter waren wir, als sich herausgestellt hat, dass es wirklich gut funktioniert. Wir sind unglaublich stolz auf Betina und lassen uns von Betinas Freude an der Arbeit anstecken.

 

Betina, was hat dich gereizt nach Kitzbühel zurückzukehren und schon in jungen Jahren Verantwortung in der Kanzlei zu übernehmen?

Betina: Mir war nicht von Anfang an klar, dass ich eine juristische Karriere einschlagen würde. An der Universität Innsbruck habe ich mich neben Jus unter anderem noch für Altorientalistik inskribiert. Im ersten Semester meines Jus-Studiums kristallisierte sich heraus, dass ich mich auf diesen Weg konzentieren würde. Bei einer juristischen Karriere kam für mich eigentlich nur der Anwaltsberuf ensthaft in Frage. Es war mir ein Anliegen, zunächst Erfahrung in einem fremden Betrieb zu sammeln. Ein nicht zu vernachlässigender positiver Nebeneffekt dabei war, dass ich in der Innsbrucker Kanzlei meinen Lebensgefährten Joachim kennen gelernt habe. Für Joachim und mich hat sich die Möglichkeit geboten, gemeinsam nach Kitzbühel zu ziehen und uns ein berufliches Standbein in der Kanzlei Rohracher & Winkler aufzubauen. Da wir das als enorme Chance sehen, haben wir uns gemeinsam für diese Zukunft entschieden.

 

Clemens, du bist Oldtimerfan - was war deine erste automobile Jugendliebe?

Clemens: Zu Studentenzeiten eröffnete sich über eine Ausschreibung rein zufällig die Möglichkeit, einen neuen VW Käfer 1303 Cabrio mit der Lackfarbe Anthrazit und Verdeck, Sitzen und Innenausstattung in Beige zu kaufen. Da die Produktion kurz zuvor eingestellt worden war und damals nicht viele Cabrios auf dem Markt waren, hatte dieses Auto bereits damals Sammler- und Liebhaberwert. Obwohl ich mir das Auto damals nicht leisten konnte, lies mich der Gedanke nicht mehr los. Schlussendlich ermöglichten mir meine Eltern den Erwerb des Käfer Cabrios, den man wohl als meine erste automobile Jugendliebe bezeichnen könnte. Wie das bei Jugendlieben so ist, ist es nicht bei der einen geblieben.

 

Vielen Dank für das Gespräch!

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