Über Zukunftstrends am Kunstmarkt, die Wochenendidylle im Burgenland und wie sich eine Kölner Frohnatur in Wien fühlt

Im Gespräch mit Angela Baillou

Kunstexpertin und Geschäftsführerin Christie´s Österreich

 

Du bist schon seit deinen frühesten Kindertagen an Kunst interessiert. Was hat in so jungen Jahren deine Neugierde geweckt?

Als Nachzügler mit 5 grossen Geschwistern hat man oft Vorteile. Einer war, dass ich überhörte, wie sich 2 Schwestern über ein Coffetable Book unterhielten, was in den 70er Jahren herauskam, und sie sich gegenseitig kunsthistorische Termini erklärten. Ich wollte mithalten und habe jenes Buch mit 8 Jahren einfach auswendig gelernt, Künstler Jahr und Titel. Das war natürlich eine super Grundlage und ich konnte unglaublich damit angeben, wenn ich etwas wiedererkannte. Beim Aufnahmegspräch ins Gymnasium hing bei der Direktorin eine Repro von Edvard Munch, an der Wand. Als ich Künstler und Titel einfach mal so nebenher fallen liess, glaubte die gute Dame sie hätte ein Wunderkind vor sich- hat sich schnell bewiesen, dass dem nicht so war, aber der Platz in der Schule war mir sicher!

Tatsächlich ist aus dieser völlig zufällig gewählten Grundlage eine Passion geworden und mir war sehr früh klar, dass ich beruflich in den Kunstbereich wollte, allerdings immer in den Handel und nie in die rein akademische Forschungsarbeit.

 

Wie siehst du Digitalkunst- werden sogenannte NFTs die Zukunft sein?

Digitale Kunst hat durch die Blockchain das fehlende Element bekommen, was es für den Kunstmarkt attraktiv macht: die Möglichkeit Authentizität und Besitzverhältnisse für immer zu dokumentieren. In einer Zeit, wo sich jeder alles aus dem Internet herunterladen kann, ist dies eine unerlässliche Rahmenbedingung. Durch den kommerziellen Erfolgs des Monumentalwerks von Mark Winkelmann, besser bekannt unter seinen Künstlernamen Beeple, welches Christie’s im Februar 2021 als erstes non-fungible-token, kurz NFT, für US$ 69 Mio. verkaufte, ist der Hype natürlich angetrieben.

Digitale Kunst spricht momentan ein komplett neues Publikum an, eine junge Generation, aber auch etablierte Investoren. Ich denke es ist wie mit der Photographie, da dachte man im 19. Jhdt. auch zuerst sie löse die Malerei gänzlich ab- Photographie steht aber heute als eigenständige Kunstsparte neben Leinwandbildern, Skulpturen, Videokunst, Installationen und Performances. Digitale Kunst wird bestehen bleiben, sie ist nicht mehr wegzudenken. Aber auch hier wird es Qualitätsunterschiede geben und nicht jedes digitale Kunstwerk ist ein Meisterwerk.

 

Du beschäftigst dich mit sovielen Kunstrichtungen. Gibt es ein Kunstwerk, das dich besonders fasziniert?

Ein einzelnes Kunstwerk zu nennen ist mir unmöglich, aber es gibt Richtungen oder Stile oder Themen, die mich persönlich mehr interessieren als andere. Ein echte Schwäche habe ich für Belle Epoque und Art Deco Schmuck. Da sind die Stücke oft so elegant gearbeitet, dass es genauso Spass macht sie von hinten wie von vorne zu betrachten. Goldschmiede, die solches Handwerk beherrschen gibt es heute kaum mehr.

 

Ihr verbringt viele Wochenenden an eurem Zweitwohnsitz im Burgenland. Was war dir bei Architektur und Einrichtung besonders wichtig?

Für mich ist der grösste Luxus Raum und Zeit. Unter der Woche leben wir in Wien, wo mein Büro ist und die Kinder zur Schule gehen. Mein Mann reist beruflich viel, daher ist der ultimative Familientreffpunkt unser Haus am Land. Es ist schnell von Wien zu erreichen und so grosszügig angelegt, dass es viel Platz für Gäste bietet. Da es weit ausserhalb vom Ortgebiet liegt, hat man immer das Gefühl der kompletten Ruhe und kann dem Trubel des Alltags in den hellen, lichtdurchfluteten Räumen oder dem grossen Garten hinter sich lassen. Obwohl ich in einem alten Haus aufgewachsen bin, schätze ich heute die Annehmlichkeiten eines Neubaus enorm und stelle fest, man muss nur Mut haben seine traditionellen Wohnideen zu überdenken, es lohnt sich.

 

Wien ist seit Jahren deine private und berufliche Heimat. Was schätzt du an Österreich besonders?

Meinen Mann, einen echten Wiener 😊! Ernsthaft!

Aber auch ansonsten liebe ich an Österreich so ziemlich alles, bis auf die Tatsache das es so viel früher dunkel wird als im Rheinland, da merkt man die Ost-West Achse doch sehr. Und der Karneval fehlt natürlich, aber die Wiener Bälle sind eine gute Alternative.

 

Liebe Angela, vielen Dank für das Gespräch!

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